Buochs

Buochs I: Flugplatz-Variantendiskussion

In der letzten Ausgabe der FLAB-Zeitung wurde ausführlich über den Stand der Flugplatz-Variantendiskussion Phase 1 und die Einschätzung sowie Haltung des Schutzverbands Buochs SBFB berichtet. So unter anderem, dass der Verband die Vereinbarung zu den Grundsätzen für die Entwicklung des Flugfelds Buochs vom 8. April 2015 aus sehr guten Gründen nicht unterschrieben hat. Und dass sich der SBFB trotzdem mit der notwendigen, ganzheitlichen Sicht im Begleitgremium zur Projekt-Phase 2 einbringen werde.

Zwischenzeitlich stellte sich heraus, dass der SBFB in guter Gesellschaft ist mit der Flugfeldbetreiberin Airport Buochs AG, den Pilatus Flugzeugwerken AG, der Nidwalden AirPark AG (NAPAG) sowie dem Flugplatzkomitee, die die Vereinbarung ebenfalls alle nicht unterschrieben haben. Allerdings aus anderen Motiven, versteht sich. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieb es dabei, dass lediglich der Kanton Nidwalden, die Korporationen Buochs, Ennetbürgen und Stans sowie die drei Flugplatzgemeinden die Vereinbarung unterschrieben.

Auf den 1. Juli 2015 lud der Projektausschuss, der sich aus drei NW-Regierungsräten und den Vertretern der drei Korporationen zusammensetzt, zu einer Sitzung des Begleitgremiums ein. Vom beauftragten Ingenieur-/Planungsbüro wurden Flugplatzvarianten sowohl im Norden (nördlich der Kantonsstrasse Stans-Ennetbürgen, also dort, wo der Nidwalden Airpark auf einer Fläche von 90‘000 m2 entstehen soll) als auch im Süden (Gebiet „Faden“, Buochs) des Flugplatzes präsentiert.

Wie schnell zu erkennen war, schien einiges nicht ausgegoren, zu wenig durchdacht. Selbst am Vorabend wurde in aller Eile noch eine Änderung einer Variante vorgenommen.  Nach dem Selbstverständnis des SBFB von Partizipation und Transparenz sowie dem Wunsch nach vertiefter Auseinandersetzung mit der Materie plädierte der Schutzverband dafür, dass die präsentierten Unterlagen den Sitzungsteilnehmern zugestellt werden.
Die mündliche und in der Folge auch schriftliche Antwort lautete wörtlich: „Die präsentierten Folien werden nicht verteilt, weil die Varianten noch nicht konsolidiert sind. Für die nächste Sitzung (im Herbst, Anmerkung Autor) wird in Aussicht gestellt, dass vorgängig ein Berichtsentwurf verschickt wird.“
Und weiter: „Es handelt sich bei den gezeigten Folien um einen Blick in die laufende Werkstatt. Die Varianten werden weiterentwickelt und verändern sich laufend. Da der gezeigte Stand der Arbeiten noch nichts Stabiles repräsentiert, soll jetzt nichts Unfertiges in Umlauf gebracht werden, das dann später zu Verwirrung führen kann.“

Die Aviatikkreise wollen nach dem bereits erstellten neuen Kontrollturm nun auch noch ein neues Betriebsgebäude, zwei neue Flugzeughangars sowie neue Abstellflächen für Flugzeuge. Es soll also mit der grossen Kelle angerichtet werden. Unabhängig, ob die neue „Zentrale“ des Flugplatzes Buochs im Norden oder Süden entsteht, wollen die Pilatus Werke eine neue Halle auf einer Fläche von 7‘000 m2 für Unterhaltsarbeiten bauen. Bis heute sind die Pilatus Werke für solche Arbeiten auf dem Gelände der RUAG, in der so genannten Halle 10, eingemietet. Wie es scheint mit dort zu hohen Mietkosten.

Den präsentierten Varianten ist gemeinsam, dass es bei einer Umsetzung entweder einer Nord- oder auch Südvariante geeignete Erschliessungen braucht.
Im Norden kreuzen heute gleich zwei (!) Rollwege die Kantonsstrasse Ennetbürgen - Stans. Ein wohl landesweites Unikum. Mit etwas Weitsicht ist mit der heutigen Ampel-„Lösung“ früher oder später mit einer Kollision zwischen dem Flugzeug-Rollverkehr und dem Strassenverkehr zu rechnen. In der Einschätzung des SBFB ist diese Gefahr selbst schon bei der heutigen Anzahl der Strassenquerungen, geschweige denn bei noch mehr Flugzeugbewegungen, gegeben. Eine weitere, wesentliche Problematik stellen die entsprechenden Wartezeiten für den Privatverkehr und den öffentlichen Verkehr (ÖV) dar. Als Lösung ist eine Entflechtung der Kantonsstrasse mit einer Unterführung des Strassenverkehrs angedacht.
Im Süden ist eine neue Brücke über die Engelberger Aa in das Gebiet „Faden“ vorgesehen, weil die unter Denkmalschutz stehende heutige „Fadenbrücke“ nicht LKW-tauglich ist.

Und was ist zwischen dem Norden und dem Süden? Die Piste mit insgesamt rund 2‘400 m Länge (wovon an beiden Pistenenden je 200 m RESA [Runway End Safety Aera]). Ziemlich genau in der Hälfte kreuzt sich die Piste mit der öffentlichen Herdernstrasse, was ein weiteres, wohl landesweites Unikum darstellt. Ein wahrer Hotspot mit Kollisionsrisiken von Flugzeugen mit dem Strassenverkehr wie sich in den letzten Jahren verschiedentlich zeigte. Diese Missstände sind übrigens auch beim Bazl, der Luftfahrtaufsichtsbehörde, seit vielen Jahren aktenkundig. Unter anderem wegen zu weit auseinander liegenden Barrieren und dazwischen „eingeschlossenen“ Autos, Velofahrern und Fussgängern. Zur Entflechtung steht auch in diesem Fall eine Unterführung der Herdernstrasse (Tunnel mit Fertigelementen in den lichten Massen von ca. 4 m Breite und ca. 3.20 m Höhe) für den Durchgang nur von kleineren Gefährten und Fussgängern, jedoch nicht von Lastwagen, zur Diskussion. Zweifellos: Dieser Kollisions-Hotspot ist in jedem Fall zu beseitigen. Der SBFB stellt jedoch die grundsätzliche Machbarkeit wegen des unter dem Flugplatz liegenden, grossflächigen Grundwasser-Vorkommens mit zu geringem vertikalem Abstand in Frage.

Angesichts der flächenmässigen Kompaktheit der Nord-Varianten stellte der SBFB unter anderem die zentrale Frage, wie weit es aviatisch Sinn mache, wenn eine der Südvarianten umgesetzt werde und gleichzeitig im Norden das überdimensionierte NAPAG-Vorhaben auf einer Fläche von 90‘000 m2 umgesetzt werde, respektive wie risikoreich ein solch doppelspuriges Vorgehen für die Aviatik sei. Er stellte zudem die Frage, weshalb denn angesichts der laufenden Flugplatz-Variantendiskussion gleich auch am 1. Juli 2015 die öffentliche Auflage des NAPAG-Gestaltungsplans publiziert wurde, respektive wieviel Sinn diese Planauflage denn mache.

Buochs II: Öffentliche Auflage NAPAG-Gestaltungsplan

Am 1. Juli 2015 wurde nach diversen früheren Vorankündigungen der Gestaltungsplan der Nidwalden AirPark AG (NAPAG) amtlich publiziert und dreissig Tage in die öffentliche Auflage in den Gemeinden Ennetbürgen und Stans gegeben. Geplant sind sieben mehrstöckige Gebäude und bis zu 490 Parkplätze.

Wie die Einsicht in die umfassenden Unterlagen ergab, weist der Gestaltungsplan verschiedene Mängel auf.
So ist unter anderem am östlichen Ende, also Richtung Ennetbürgen, ein Industrie-Helikopterlandeplatz vorgesehen. Als ob es mit den heutigen Heli-Immissionen auf dem Flugplatz Buochs nicht schon reichte. Kommt hinzu, dass sich ein Helilandeplatz auf dem NAPAG-Gelände rein von den gegebenen Umständen  - unter anderem viel zu nahe an den Gebäuden -  nicht ICAO-konform umsetzen lässt. Ausserdem geht aus dem Gestaltungsplan hervor, dass der Zugang in das NAPAG-Gelände mit Flugzeugen  - angedacht sind unter anderem auch Grosskabinenjets mit einer Flügelspannweite bis 30 m -  von Süden her, unmittelbar um den Helilandeplatz herum …, erfolgen soll. Nachdem keine ICAO-Konformität für einen derartigen Helilandeplatz gegeben ist, ist der Gestaltungsplan allein schon in diesem Punkt nicht genehmigungsfähig.

Ausserdem wurde unter anderem als weiterer Mangel nicht aufgezeigt, wie die aviatische Erschliessung des NAPAG-Geländes von Süden her, ab Hauptpiste, erfolgen soll.

Schliesslich ging aus dem Gestaltungsplan nicht hervor, inwiefern dieser mit der gleichzeitig laufenden Flugplatz-Variantendiskussion im Norden, auf eben diesem NAPAG-Gelände, abgestimmt worden wäre. Jedenfalls erwiesen sich die Flugzeugabstellflächen als viel zu klein.

Mit Spannung wird erwartet, wie sich die NAPAG zu den verschiedenen Einwendungen stellt und welche Entscheidungen die Gemeinde Ennetbürgen, die den Lead im NAPAG-Auflageverfahren hat, trifft.