Altenrhein

Das Bundesverwaltungsgericht soll es richten

Auf Druck des Bundesverwaltungsgerichts wurde 2012 die Airport Altenrhein AG (AAAG) dazu  verpflichtet, vor jeglichem Weiterausbau der Flugplatz-Infrastruktur eine Umweltverträglichkeitsprüfung
(UVP) durchzuführen. Damit sollten die aktuellen und künftigen Auswirkungen des Flugbetriebs – insbesondere Lärmimmissionen – auf die Umwelt aufgezeigt und wirkungsvolle Massnahmen zu deren Reduktion vorgeschlagen werden. Anfang 2014 legte die AAAG den Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) zusammen mit dem Bauvorhaben für einen neuen ‹Hangar C6› öffentlich auf. Nach gründlicher Prüfung von UVB und Bauprojekt erhoben dagegen die AgF sowie der VCS, der WWF und Privatpersonen beim BAZL Einsprache. Kurz darauf wurden zwei weitere Baugesuche für Flugplatz-Neubauten eingereicht.

Im Frühjahr 2015 lag dann der UVB in überarbeiteter Fassung erneut öffentlich auf. In unserer Stellungnahme an das BAZL verlangten wir nochmals ausdrücklich Nachbesserungen in Sachen Lärmschutz für die Anwohner durch den Bau einer geschlossenen Halle zur Durchführung der Standläufe sowie Massnahmen zur Verbesserung der Luft. Dies, bevor weitere Bauprojekte bewilligt würden. Unsere Bemühungen blieben jedoch weitgehend erfolglos. Denn Ende Dezember 2015 bewilligte das BAZL den unseres Erachtens ungenügenden UVB sowie den Neubau des Hangars C6.

Um die geforderten Massnahmen zum Schutz von Bevölkerung und Umwelt doch noch realisieren zu können, reichten Ende Januar der VCS zusammen mit der AgF und zwei Privatpersonen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein.

Überraschenderweise hat gleichzeitig auch die AAAG gegen die vom BAZL erteilte Plangenehmigung rekurriert. Die mit der Genehmigung verfügten moderaten Auflagen gehen den Flugplatzbesitzern offensichtlich zu weit und machen deutlich, welch geringen Stellenwert die berechtigten Anliegen der Bevölkerung zur Verbesserung der Lebensqualität in Altenrhein haben.

Neuer CEO will enges Korsett sprengen

Seit Dezember 2015 hat das Flugfeld Altenrhein mit Daniel Steffen einen neuen Geschäftsführer, der sich als erstes mit provokativen Aussagen in der Öffentlichkeit bemerkbar machte und eine neue Ausbaudynamik des Flugbetriebs ankündigte. So stellte er unmissverständlich in Aussicht, «den Airport aus seinem Korsett zu befreien». Damit beabsichtigt er, den heute schon an der Grenze des Erträglichen operierenden Flugbetrieb weiter vorwärts zu puschen, ungeachtet der damit verbundenen Nachteile für die Anwohnerinnen und Anwohner. Seine unverhohlene Kritik am Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Österreich, in welchem für Linienund Charterflüge eine Mittagspause festgeschrieben ist, verdeutlicht dies. Nach Steffens Auffassung ist dieser Schutzpassus absolut überflüssig, den er am liebsten aus der Welt geschafft haben möchte. Auch das permanente Bemühen, neue Linien- und Charterflüge ab Altenrhein anzubieten, zeugt von einer sehr einseitigen, nur auf Umsatzausweitung ausgerichteten Betrachtungsweise. Das Grundrecht der Bevölkerung auf Ruhe und saubere Luft zählt nichts.

Dieses negative Image aufzupolieren vermag auch der Ende April von der AAAG durchgeführte Lärmkurs – ein rund einstündiger Vortrag über lärmarmes Fliegen – kaum. Die an und für sich lobenswerte Veranstaltung der Flugplatzverantwortlichen, welche von über hundert Piloten besucht worden ist, erscheint unter diesen Vorzeichen kaum mehr als eine Alibi-Verantstaltung.

Heinz Grob, Rorschacherberg
Präsident AgF