Editorial

Seit meiner Geburt wohne ich in Kloten. Der Flughafen Zürich ist also ein ständiger Begleiter, die Gefühle zu ihm ambivalent: Auf der einen Seite sind da die erwünschten Steuereinnahmen für die Stadt (sofern die Luftfahrt nicht wieder mal in der Krise ist), auf der anderen Seite sind da aber auch die deutlich spürbaren Flugemissionen wie Lärm und Luftverschmutzung.Eine Balance zu finden zwischen diesen zwei Polen, das ist und bleibt die grosse Kunst in der Flughafenregion. Es war denn auch die Flughafenpolitik, die mich antrieb und mich aktiv werden liess. Seit fünfzehn Jahren kämpfe ich für das berechtigte Ruhebedürfnis der FlughafenanwohnerInnen und dafür, dass der Klimaschutz ebenfalls nicht ausser acht gelassen wird. Denn es geht nicht nur um Fluglärm, sondern immer auch um die Rolle des Flugverkehrs als grosser Emittent von schädlichen Treibhausgasen.

Als Präsidentin des Dachverbandes Fluglärmschutz (DVFS) ist es mir ein grosses Anliegen, die Gemeinsamkeiten zu finden und diese zu betonen. Im DVFS sind die Bürgerorganisationen rund um den Flughafen vereinigt, nur der Süden macht nicht mit. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir haben versucht, gemeinsame Zielwerte zu definieren und haben diese auch gefunden: Eine gerechte und faire Fluglärmverteilung, jährlich nicht mehr als 250’000 Flugbewegungen und keine Pistenausbauten. Zur Zeit kämpfen wir vorwiegend für die Einhaltung der vom Bundesgericht verordneten siebenstündigen Nachtflugsperre. Ständige Ausnahmeregelungen (zB. Emir von Katar) weichen diese nämlich auf, denn der Verspätungsabbau ist bereits in den Flugplan integriert.

Mit meiner Wahl in den Nationalrat letzten Herbst hat sich mein Horizont nun erweitert (das war sicher auch dringend nötig!) und mein Fokus sich auch auf die anderen Flughäfen in der Schweiz gelegt: Durch den Kontakt zum SSF wurde mir eindrücklich bewusst, dass wir FlughafenanwohnerInnen nur eine Chance haben, in Bern erhört zu werden: Wenn wir zusammenarbeiten und uns gemeinsam für ein besseres Klima und gegen die Wachstumsgelüste der Flugverkehrsbranche wehren. Der «Leidensweg» ist nämlich durchaus für alle derselbe, ob Anwohnerin eines Zivilflughafens oder Anwohner eines Militärflugplatzes: Versprechen werden nicht eingehalten und man wird oft für dumm verkauft. Suchen wir also unsere gemeinsamen Interessen und kämpfen wir miteinander dafür – nicht nur lokal, sondern auch national!

Priska Seiler Graf, Kloten
Stadträtin und Nationalrätin SP