Altenrhein

‹Kürzester Linienflug der Welt› ab Altenrhein

Stolz informierte die Airport Altenrhein AG Mitte September die Öffentlichkeit über ihre neuste Errungenschaft: Ab 2. November 2016 werde ihre Fluggesellschaft «People’s Viennaline» eine neue Linienflugverbindung zwischen Altenrhein und Friedrichshafen mit täglich zwei Flügen betreiben. Ganze 8 Minuten dauere der ‹weltweit kürzeste internationale Linienflug› zwischen dem privaten Flugfeld Altenrhein und dem 20 Kilometer entfernten Friedrichshafen, am nördlichen Ufer des Bodensees gelegen. Von dort gehe die Reise weiter nach Köln/Bonn. Das BAZL habe für diese zweite Linienflugverbindung ab Altenrhein grünes Licht gegeben. Die bisher einzige konzessionierte Linienflugverbindung wird seit 1988 von Altenrhein nach Wien betrieben.

Altenrhein ist in der Schweiz ein Sonderfall, da Linienflüge ab einem privaten Flugfeld angeboten werden. Laut Luftfahrtgesetz (LFG) müsste als Voraussetzung dazu der Flugplatz jedoch konzessioniert sein. Art.36a: «Für den Betrieb von Flugplätzen, die dem öffentlichen Verkehr dienen (Flughäfen), ist eine Betriebskonzession erforderlich.» Die Konzessionierung Altenrheins ist jedoch erst vor rund sechs Jahren am Widerstand des Bundeslandes Vorarlberg gescheitert. Darum ist im aktuellen SIL-Objektblatt IIIC zum Flugplatz Altenrhein denn auch folgendes festgelegt: «Der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein ist ein privates Flugfeld. Bei einem Ausbau des Linienverkehrs ist er zu konzessionieren, was nur im Einvernehmen mit Österreich erfolgen soll.»

Ökologischen Unsinn stoppen

Umso grösser ist darum unsere Überraschung, dass das BAZL dem Flugfeld – trotz fehlender Betriebskonzession – eine zweite Linienflugkonzession erteilt hat. Kommt dazu, dass die bewilligte Kürzest-Flugstrecke von 20 km ein ökologischer Unsinn erster Güte darstellt. Die wenigen Minuten Flugzeit bestehen vor allem aus Start und Landung, aus jenen Flugabschnitten, die sowohl am meisten Treibstoff verbrauchen als auch am meisten Lärm und Abgase produzieren. Vom hohen zusätzlichen Unfallrisiko ganz zu schweigen. Und dies in einer Zeit, wo die Schweiz zusammen mit 195 Ländern den UNO Klimavertrag in Paris unterzeichnet hat und sich damit verpflichtet hat, den CO2-Ausstoss wirkungsvoll und nachhaltig zu senken.

Im St. Galler Grossen Rat löste die neue umstrittene Fluglinie einen Vorstoss aus. Mittels Interpellation verlangt GP-Kantonsrat Gschwend von der Regierung eine Stellungnahme zu den fragwürdigen Flugplänen in Altenrhein. Diese seien im Widerspruch zur Kantonsverfassung und seien zu stoppen.

Wir von der AgF sind gefordert, auf diesen unsinnigen Ausbauschritt wirkungsvoll zu reagieren, da er unserer Auffassung nach nicht rechtens ist. Es geht auch darum, die befürchtete Zunahme der Lärm- und Schadstoffimmissionen von der Bevölkerung fern zu halten.

Heinz Grob, Rorschacherberg
Präsident AgF