Altenrhein

St.Galler Regierung unterstützt ökologischen Unsinn

Seit dem 2. November des letzten Jahres fliegt neu zweimal am Tag ein Linienjet der flugplatzeigenen Fluggesellschaft «People’s Viennaline» von Altenrhein zum 20 Kilometer entfernten Friedrichshafen am nördlichen Bodenseeufer, von wo es in einem Anschlussflug weiter nach Köln geht. Bei diesen neuen, heftig umstrittenen Linienflügen soll es sich angeblich um ein lukratives Flugangebot handeln, mit welchem eine Marktlücke im Business-Fluggeschäft geschlossen werden könne. So in etwa wurde von den Flugplatzbesitzern die Lancierung der zweiten Linienflugverbindung ab Altenrhein der Öffentlichkeit verkauft. Der ‹kürzeste internationale Linienflug der Welt› wurde in den Medien als Errungenschaft und als sinnvolles Unterfangen dargestellt, mit welchem der regionale Wirtschaftsraum oberer Bodensee aufgewertet werden könne.

Der breite Widerstand gegen diesen ökologischen Unsinn und die mächtige Luftfahrt-Lobby war chancenlos und konnte leider nichts ausrichten. Dies umso mehr, als die St. Galler Regierung die sehr fragwürdige – die Umwelt belastende – Verkehrspolitik unterstützt. So liess sie in ihrer – einmal mehr enttäuschenden – Antwort auf eine Interpellation im Grossen Rat verlauten, «…dass eine Kurzstreckenverbindung ausschliesslich von Altenrhein nach Friedrichshafen und zurück ökologisch und ökonomisch ein Unsinn wäre und einer nachhaltigen Entwicklung zuwiderlaufen würde. Weil diese Kurzstrecke jedoch als Teilstrecke der Linienflugverbindung nach Köln/Bonn gilt, ist diese nicht zu beanstanden.» Voraussetzung für die Zulässigkeit sei allerdings die Einhaltung der Umweltbestimmungen.


«People’s» schreibt seit Jahren rote Zahlen

Fraglich ist, ob die neue Linienflugverbindung nach Friedrichshafen bzw. Köln auf Zuspruch stösst und den Flugfeldbetreibern die dringend benötigte finanzielle Stärkung bringt. Dazu kursieren sehr widersprüchliche Informationen. Während offiziell von einer zufriedenstellenden Auslastung der Flüge gesprochen wird, nimmt der aufmerksame Beobachter eine sehr schlechte Passagierfrequenz wahr. Oftmals kann die Anzahl der in Altenrhein zu- oder aussteigenden Passagiere an einer Hand abgezählt werden, was bei einem 76-plätzigen Flugzeug wie dem Embraer E170 natürlich viel zu wenig ist. Kommt dazu, dass «People’s Viennaline» zur Bedienung der neuen Linie einen zweiten Linienjet E170 zugekauft hat, welcher ab April zum Einsatz kommen soll.

So überrascht es denn auch nicht, dass vor kurzem die Medien zu berichten wussten, dass die Airline in Altenrhein seit Jahren rote Zahlen schreibe und massiv überschuldet sei. Die Verbindlichkeiten sollen von 2011 bis 2015 auf über 15 Millionen Euro angewachsen sein, und per 2015 seien sowohl ein negatives Eigenkapital als auch ein Bilanzverlust in zweistelliger Millionenhöhe angehäuft worden. Und darum erstaunt es nicht, dass man sich in der Öffentlichkeit einmal mehr ernsthafte Gedanken macht zur weiteren Zukunft in Altenrhein. Ja, es laufen seit längerem Wetten darauf, wie lange es wohl die heutigen Besitzer noch schaffen dürften und wann wohl der nächste Besitzerwechsel anstehen wird.

Ungeachtet dessen konzentrieren wir uns zurzeit darauf, das früher sehr erfolgreiche Beziehungsnetz zwischen den Fluglärmgegnern beidseits des Rheins zu reaktivieren. So trafen wir uns am 2. Februar 2017 – gemeinsam mit Umweltschützern aus Höchst – im Landhaus Bregenz mit Vertretern der Vorarlberger Landesregierung zu einer Aussprache. Beruhigt konnten wir zur Kenntnis nehmen, dass man dort auch in Zukunft am bewährten Staatsvertrag Schweiz-Österreich festhalten werde. Eine Aufweichung stehe nicht zur Debatte, wurde uns von höchster Stelle versichert.

Heinz Grob, Rorschacherberg
Präsident AgF