Bern-Belp

Entscheid BVGer zum Betriebsreglement Flughafen Bern

Die Beschwerde gegen die Bewilligung des neuen Betriebsreglements, die von der Vereinigung gegen Fluglärmn VgF zusammen mit dem VCS beim Bundesverwaltungsgericht erhoben wurde, führte in zwei Punkten zum Erfolg. Die Flughafenbetreiber wurden verpflichtet, das Betriebsreglement anzupassen: Schubumkehr, ein Faktor für starken Lärm, darf künftig nur noch aus Sicherheitsgründen eingesetzt werden. Genauso mit Rücksicht auf unnötigen Lärm sollen Starts wenn immer möglich rollend erfolgen. Das Urteil lässt darüber hinaus offen, in einem späteren Verfahren und sofern technische Fortschritte das ermöglichen, eine lärmoptimierte Routenwahl zu fordern.


Weiterzug 4. Ausbauetappe ans Bundesgericht: Schallschutzkonzept gegen Aufwachreaktionen gefordert

Nach der Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in dieser Sache, hat das UVEK die 4. Ausbauetappe mit gewissen Auflagen zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm Mitte November 2016 genehmigt. Die gemachten Auflagen werden von der VgF und dem VCS als ungenügend erachtet. In einer Beschwerde an das Bundesgericht fordern diese vom Flughafen Bern die Erstellung eines Schallschutzkonzepts, das die Anwohner insbesondere vor Aufwachreaktionen in den ersten Nachtstunden und den ersten Morgenstunden schützt. Extreme Lärmspitzen führen zu wiederholten Aufwachreaktionen, die gemäss Erkenntnissen der Lärmwirkungsforschung gesundheitsschädigend sind. Sie erhöhen das Risiko von physischen und psychischen Krankheiten erheblich.


Südanflug GNSS

Im Februar 2014 reichte die VgF zusammen mit Umweltverbänden Einsprache gegen das satellitengestützte Anflugverfahren ein. Das geplante satellitengesteuerte Anflugverfahren (Südanflug GNSS 32) stellt einen wichtigen Baustein der Wachstumsstrategie des Flughafens Bern dar und wird in Zukunft die Erreichbarkeit und die Attraktivität des Flughafens stark steigern. Es sind mehr als 300 Einsprachen eingegangen.

Auch von Anrainergemeinden, den Ortschaften in der Anflugschneise, von Hauseigentümern, aber auch aus den Reihen der Aviatik und des Paraglidings gingen Einsprachen ein. Viele Einsprecher haben verstanden, dass der durch Satellitensignale assistierte Anflug dem Berner Flughafen eine stark wachsende Zahl an Flügen und damit mehr Fluglärm und Emissionen bereiten wird.


SkyWork will wachsen

Skywork, der Berner Homecarrier möchte wachsen. Dazu präsentierte das Unternehmen noch im alten Jahr seine Pläne. Bis Sommer 2017 lösen die Saab 2000 alle alten Dorniers ab. Der Unterhalt der neu beschafften Maschinen findet nicht mehr in Bern, sondern in Basel statt. Zur Wachstumsstrategie gehört eine Offensive um Kunden aus der Romandie, die von und nach Bern fliegen sollen. Die Airline will auch ausserhalb Bern wachsen, primär auf dem Euroairport in Basel und mit dem Sommerflugplan auch mit einem Flug Zürich-Elba. Der geplante Einsatz von grösseren, düsengetriebenen Flugzeugen, welche zurzeit von SkyWork evaluiert werden, wird voraussichtlich auch in der Region Bern zu mehr Fluglärm führen.


Starke Zunahme von Businessflügen

Die Verlagerung, wie sie die VgF seit längerem beobachtet, spitzt sich in Bern zu: Immer mehr Business-Jets steuern Bern an, etliche deshalb, weil in Zürich, Basel und Genf für diese Flieger immer weniger Platz vorhanden ist. Lärm für ein, zwei Passagiere, oft mehr Lärm als von einem modernen Passagierflugzeug – und die vielgerühmte Wertschöpfung darf in diesem Zusammenhang in Frage gestellt werden. Gesamtheitlich betrachtet gingen gemäss Aussagen des Flughafens die Passagierzahlen um 3,5% zurück, die Flugbewegungen waren um 1,9% rückläufig (50'199 Bewegungen). Darin enthalten sind 2'502 Flüge der Business Aviation, welche damit eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von fast 14% verzeichnet. Die eben beim Bundesamt für Statistik erschienenen Daten, explizit zu den Linien- und Charterflügen 2016, bestätigen den Rückgang (Bewegungen: 7’928 im 2015 auf 7’636 im 2016; Passagiere: 175’024 im 2015 auf 167’292 im 2016).

Guido Frey, Geschäftsführer
Vereinigung gegen Fluglärm VgF