Emmen

Die Befürchtung des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen (SFE), dass sich nach der Schliessung des Flugplatzes Sion die Zahl der Jetbewegungen von jetzt rund 3’500 auf 6’000 bis 7’000 verdoppeln könne, wurde vom VBS als reine Spekulation, als «Milchbüechli-Rechnung» abgetan. Dabei hatte sich der SFE ausschliesslich auf offizielle Zahlen des VBS gestützt. Das war im November 2016, als sich der SFE zu Wort meldete, weil in den Vernehmlassungsunterlagen zum Sachplan Militär (SPM) keinerlei Hinweis auf die Konsequenzen der Schliessung von Sion zu finden waren.

Auf die Interpellation von SP-Nationalrätin und Vorstandsmitglied des SFE Prisca Birrer-Heimo bestätigte der Bundesrat am 15. Februar 2017 die Annahmen des SFE im Wesentlichen: «Die Anzahl der Kampfjetbewegungen ist abhängig vom Bestand an Piloten und deren Ausbildungs- und Trainingsbedarf. Dies ist ein Grund, weshalb die Anzahl der Flugbewegungen von Jahr zu Jahr leicht variiert. Der durchschnittliche Bedarf liegt bei 22’000 Bewegungen. Diese verteilen sich wie folgt:

  • Zwei der drei Staffeln mit F/A-18 sind heute in Payerne stationiert. Dazu kommt noch eine F-5 Staffel. Das im Jahr 2007 festgesetzte Objektblatt sieht dafür 11’000 Kampfjetbewegungen vor.
  • Die dritte Staffel mit F/A-18 ist in Meiringen stationiert, was zwischen 4’000 und 5’000 Jetbewegungen mit sich bringt.
  • Rund 2’000 Kampfjetbewegungen finden im Ausland statt.
  • Emmen ist heute Basis der Patrouille Suisse, einer F-5 Staffel, der Pilotenschule sowie der Ruag, die den Unterhalt der Kampfjets der Luftwaffe durchführt, und gleichzeitig Ausweichflugplatz auch bei Pistensperren. Dies hat in den vergangen Jahren zu Kampfjetbewegungen in der Grössenordnung von rund 3’500 geführt.
  • Durch die Beendigung des regelmässigen Flugbetriebs in Sion per Ende 2017 und der damit verbundenen betrieblichen Konzentration des Zielflugdienstes und der Pilotenschule werden je rund 1’500 Flugbewegungen mit F-5 und PC-21 nach Emmen verlagert. Dies entspricht einer durchschnittlichen Zunahme von je drei Starts und Landungen pro Werktag…»

Mit der Medienmitteilung ist der Bundesrat der Luftwaffe schön in die Parade gefahren.Diese hatte geplant, an der Medienkonferenzvom 17. Februar 2017 – am Freitag vor den Fasnachtsferien,die Belastungszunahme für den Flugplatz Emmen klein zu reden. Das konnte ihrnur dank einigen Zahlenspielereien gelingen. Weder im Jahr 2014 noch im Herbst 2016 wurden die Zahlen öffentlich gemacht, offensichtlich weil man die berechtigte Reaktion eines grossen Teils der betroffenen Bevölkerung befürchtet hat. Man musste die definitiven Zahlen des Jahres 2016 abwarten und gleich auch noch die viel leiseren zivilen Jets dazu rechnen um auf die Zahl 3’944 zu kommen, ein Rekord in den letzten zehn Jahren. Der Schnitt der Kampfjetbewegungen 2007 – 2016 beträgt 2’947, die Zunahme der Kampfjetbewegungen also über 2’000 pro Jahr, oder wenn man unbedingt mit Prozenten rechnen will 70% statt 20%.

Kommt dazu, dass der Bund mit der generellen Zahl an Flugbewegungen erst die erste Stufe gezündet hat. Über das Jahr 2022 hinaus könne das VBS noch keine Prognose abgeben. Das ist richtig, denn die Frage hängt davon ab, welcher neue Kampfjet in welcher Anzahl beschafft wird. In einem zweiten Schritt werden dann die leiseren Tiger-Jets durch die lauten neuen ersetzt – dann mit der Begründung, dass dies nicht mit einer Erhöhung der  Flugbewegungen einhergehe.

Es gibt laut Bundesrat 2018 eine Anhörung und Mitwirkung der Objektblätter sämtlicher Militärflugplätze, also der jeweiligen Flugbewegungen. Gleichzeitig wird betont, dass sich «an der Verteilung der Kampfjetbewegungen voraussichtlich nichts Grundlegendes» ändern wird. Der SFE kritisiert, dass die Meinung demnach längst gemacht ist.

Der SFE fordert vom Luzerner Regierungsrat und den Gemeindebehörden, besonders Emmen, dass sie sich noch stärker gegen die Pläne des Bundes wehren. Das Gleichgewicht zwischen Lärmbelastung und Ruhephasen ist heute schon strapaziert, mit einer so starken Zunahme der Kampfjetbewegungen gerät es vollends aus den Fugen. Das hat der August 2015 gezeigt, in dem die F/A-18 so intensiv wie noch nie geflogen sind und zum (geplanten?) Rekordwert 2016
beigetragen haben.

Luzius Hafen, Präsident SFE


Foto: 15. März 2017, Schweizer Mittelland
© Viktor Stampfli