Altenrhein

Aus für 8-Minuten-Flüge nach Friedrichshafen

Der mit grossem medialem Aufwand lancierte «kürzeste internationale Linienflug der Welt» ist nach knapp einem halben Jahr bereits wieder Geschichte. Anfang April gab die Fluggesellschaft ‹People’s Viennaline› per Medienmitteilung die Einstellung ihrer Linienflüge nach Friedrichshafen bekannt. Die Nachfrage sei viel zu tief gewesen und die eingeflogenen Verluste entsprechend hoch. Man habe den Markt falsch eingeschätzt und müsse deshalb aus Kostengründen den Stecker ziehen.

Damit ist nun schon wieder Schluss. Die vom Bundesamt für Zivilliftfahrt BAZL vorschnell bewilligten Linienflüge von Altenrhein ins 20 Kilometer entfernte Friedrichshafen am deutschen Bodenseeufer waren schon vor dem Start im letzten November heftig umstritten. Als ökologischen Unsinn erster Güte wurden sie bezeichnet, da die wenigen Minuten Flugzeit vor allem aus den Lärm- und Abgasintensiven Starts und Landungen bestanden und der betroffenen Bevölkerung vor allem zusätzliche Belastungen bescherten. Im St. Galler Grossen Rat löste die neue Flugverbindung einen Vorstoss aus, in welchem die Regierung aufgefordert wurde, der kurzsichtigen, verfassungswidrigen Verkehrspolitik der Flugfeldbesitzer Altenrheins einen Riegel zu schieben. Leider vergeblich.

Was der breite Protest in der Bevölkerung nicht vermocht hatte, regelt nun der Markt. Die neue Linienflugverbindung verschwindet sang- und klanglos. Aus dem von ‹People’s Viennaline› erhofften Geschäft ist ein veritables Verlustgeschäft geworden, was der finanziell angeschlagenen Fluggesellschaft keinen Spielraum gelassen hat. Zum Misserfolg beigetragen hat sicherlich auch das wenig vertrauenserweckende Image des Flugfeldes Altenrhein in der Öffentlichkeit. Nur so ist zu erklären, dass die angepeilte zahlungskräftige Kundschaft der Geschäftsreisenden ausgeblieben ist, die sich offensichtlich mit dem – nur eine Stunde von Altenrhein entfernten – Flughafen Zürich bestens zurechtfindet.

Alleinbesitzer Markus Kopf wird neuer CEO

Ende 2015 hatte Daniel Steffen als neuer CEO die Leitung des Flugfeldes Altenrhein übernommen. Er war mit dem Credo angetreten, für eine neue Ausbaudynamik des Flugbetriebs zu sorgen und «den Airport aus seinem Korsett zu befreien». Dabei hatte Steffen allerdings kein glückliches Händchen. Zuerst machte er im Sommer 2016 mit der Aktion «Du machsch de Priis» Bruchlandung, weil zu tiefe Einnahmen resultierten. Und nun letzten November mit der Eröffnung der umstrittenen Linienflüge nach Friedrichshafen, um bereits Mitte April 2017 dann die Flüge wieder sang- und klanglos einzustellen. Dass der eigens für diese neue Linie gekaufte zweite Linienjet den Entscheid zum Abbruch des kostspieligen Experiments nicht gerade erleichtert hat, versteht sich.

Wenig erstaunlich, dass Daniel Steffen als CEO abgesetzt und Mitte August freigestellt worden ist. Nachfolger ist mit Markus Kopf der österreichische Eigentümer des Altenrheiner Flugunternehmens. Er hat das Steuer selber übernommen und gab in seinem ersten Interview als CEO bekannt, wie er die Weiterentwicklung seines Unternehmens sieht. Auf die Frage, ob er sich Gedanken mache, für welche Städte sich denn eine zweite Linienflugverbindung eignen könnte, meinte er: «Nein, wir wüssten nicht, welche Destination das sein könnte. Ich kann mir keine vorstellen.»

Heinz Grob, Rorschacherberg
Präsident AgF