Gründungsversammlung der KLUG

(Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit)

Der 17. Juni 2017 war für die noch junge Organisation KLUG ein wichtiger Tag: Nach langer Vorbereitung im «stillen Kämmerlein» wurde der Verein KLUG/ CESAR / COTAS offiziell in Bern gegründet. Die zahlreich anwesenden Gründungsmitglieder genehmigten die zuvor intensiv diskutierten Statuten und wählten die beiden Nationalrätinnen Lisa Mazzone und Priska Seiler Graf einstimmig als erste Co-Präsidentinnen des Vereins.


Die Koalition KLUG strebt eine Reduktion der durch den Luftverkehr verursachten Emissionen von Treibhausgasen, Luftschadstoffen und Lärm an. Dazu gehören auch die indirekt durch den Luftverkehr verursachten Emissionen, wie zum Beispiel auch Emissionen des durch Flughäfen generierten Strassenverkehrs. Bekämpft werden negative Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft und Raumplanung. Die gemeinsamen Interessen der Mitgliederorganisationen aus der ganzen Schweiz sollen gebündelt werden. KLUG agiert primär auf der nationalen Ebene. Um die Ziele der KLUG zu erreichen, betreibt die Koalition Interessenvertretung, informiert die Mitglieder und führt Kampagnen durch. Dabei muss unbedingt vermieden werden, dass die unterschiedlichen regionalen Interessen gegeneinander ausgespielt werden.


Wichtig und zentral für die Koalition ist auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern. Nach der offiziellen Gründungsversammlung fand darum ein «Runder Tisch» statt. Die Mitglieder selber hielten eigene Referate, die auf ihre spezifischen regionalen Probleme und Bedürfnisse aufmerksam machten. Es ist schliesslich nicht dasselbe, ob man Anwohnerin oder Anwohner eines Landesflughafen, eines Regional- oder eines Militärflugplatzes ist. Zuerst beschrieb Amandine Wyss, Koordinatorin bei CARPE (Coordination régionale pour un aéroport urbain, respectueux de la population et de l’environnement) die Situation am Flughafen Genf. Die Passagierzahlen haben sich in Genf in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Das geht nicht spurlos an der betroffenen Bevölkerung vorbei. Das zweite Referat bestritt Thomas Hardegger, der Präsident des SBFZ, dem Schutzverband der Bevölkerung rund um den Flughafen Zürich. Hardegger wies darauf hin dass der Flughafen Zürich wohl 7 Stunden gesetzlich garantierte Nachtruhe habe, diese Nachtflugsperre aber dauernd durch zahlreiche Ausnahmebewilligungen aufgeweicht werde. Auch der dritte Landesflughafen war ein Thema, Madeleine Göschke, Präsidentin des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen, wies auf die Probleme des Flughafens Basel hin. Die Fluglärmsituation um Basel hat sich massiv verschlechtert, vor allem in der Nacht. Peter Ott, Vorstandsmitglied des SSF, dem Schweizerischen Schutzverband gegen Flugemissionen, beleuchtete die Situation der Anwohnerinnen und Anwohner bei Regionalflugplätzen. Auf allen regionalen Flugplätzen und -feldern gibt es jährlich immerhin fast 900’000 Bewegungen. Es ist daher für die Lebensqualität der Anwohnerschaft entscheidend, dass die Infrastruktur nicht weiter ausgebaut wird. Den Abschluss machte Peter Lerch, Vorstandsmitglied des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen, indem er die spezielle Lärm-Problematik von Militärflugplätzen darlegte. Zwar haben Militärflugplätze Regelflugzeiten und Sommerpausen, der Lärm eines Kampfjets ist aber empfindlich grösser als derjenige eines zivilen Flugzeugs. Durch den Wegfall des Flugplatzes Sion werden die anderen drei Jet-Standorte stärker belastet (Emmen, Meiringen und Payerne). Da die KLUG national tätig ist, waren die Referate zum Teil in Französisch, zum Teil in Deutsch. Es stellte sich aber heraus, dass die Mitglieder sich in beiden Landessprachen verständigen konnten.


Die Mittagspause wurde rege für den direkten Austausch zwischen den Mitgliedern benutzt. Das war einer der wertvollsten Momente dieses Treffens. Es wurde erkannt, dass viele unter denselben Problemen leiden und mit denselben fadenscheinigen Argumenten vom BAZL abgespeist werden. Eine interessante Erkenntnis resultierte zum Beispiel bereits aus dem ersten gemeinsamen Austausch: Die Anwohnerinnen und Anwohner der Flughäfen Genf und Basel werden von der Schweiz und Frankreich bewusst gegeneinander ausgespielt. In Genf ist man darauf angewiesen, dass Frankreich viele Flugbewegungen über französischem Boden akzeptiert, in Basel möchte man darum Frankreich entgegen kommen und ist bereit, vermehrte Anflüge über Schweizer Gebiet in Kauf zu nehmen. Es kristallisierte sich auch noch eine Gemeinsamkeit heraus, über alle verschiedenen Flughäfen und Flugplätze hinweg: Immer wieder wurde die Bevölkerung in der Vergangenheit für dumm verkauft, immer wieder wurde nicht mit offenen Karten gespielt. Alle hatten mehr Flugbewegungen hinzunehmen als ursprünglich versprochen wurde. Ob es sich da um Anwohnerinnen und Anwohner eines grossen Landesflughafens handelt oder um die Bevölkerung rund um einen Regionalflugplatz, es spielt immer dasselbe Muster. Bei Militärflugplätzen erschwert sich die Situation zusätzlich, weil die Schweizer Armee zusätzlich ihre Bedürfnisse einbringt. Eine Vernetzung unter der den verschiedenen Fluglärmorganisationen ist daher unerlässlich. Nur gemeinsam kann man zu einer ernst zu nehmenden und einflussreichen Stärke finden.


Der Nachmittag wurde durch Fachreferate bestritten, die ebenfalls aus den Reihen der Mitglieder bestritten wurden: Dr. Hans Göschke und Dr. Peter Ettler, Präsident der Lärmliga Schweiz, berichteten über die Studien SIRENE und SALPADIA, welche sich beide mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm (und speziell auch Fluglärm) beschäftigen. Die Erkenntnisse aus diesen Studien sind erschreckend: In Flughafennähe haben nachweislich mehr Menschen Herz- und Kreislaufbeschwerden als in anderen Regionen. Besonders der Lärm während der Nachtruhe macht krank. Danach erläuterte Thomas Hardegger als Mitglied der nationalrätlichen Verkehrskommission die Luftfahrtspolitik auf nationaler Ebene, während Noëlle Petitdemange vom VCS die Luftfahrtspolitik auf internationaler Ebene den Mitgliedern näher brachte.


Zum Abschluss des «Runden Tisches» formulierten die Mitglieder Ideen und Wünsche von Themen, die von der KLUG aufgegriffen und bearbeitet werden sollten. Auf Flip-Charts wurden diese gesammelt und in einem zweiten Durchgang mit Punkten gewichtet. Alle wertvollen Inputs werden an künftigen Sitzungen der Steuerungsgruppe analysiert und diskutiert. Das Aktionsprogramm der KLUG ist auf alle Fälle klar vorgegeben! Jetzt geht es darum, die aufgeworfenen Vorschläge zu priorisieren und in Massnahmen umzusetzen.


Beim Themenfeld «Politische Massnahmen» fanden folgende Ideen und Forderungen besonders Anklang:

  • Vermessungsmethode für den Fluglärm (auch Militär-Fluglärm!) ändern
  • Gemeinden und Kantone sollen stärker bei Diskussionen und Verhandlungen einbezogen werden
  • Die Nachtruhe soll harmonisiert werden (so wie beim Flughafen Zürich)
  • Die Schweiz soll sich für eine internationale Besteuerung von Kerosin einsetzen

Beim Themenfeld «Kampagnen und Kommunikation » kristallisierten sich folgende Vorschläge heraus:

  • Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen: Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit starten
  • Die wahren Kosten des Luftverkehrs kommunizieren (Einbezug von externen Kosten, Steuerprivilegien etc.)
  • Die SSF-Zeitung FLAB soll weitergeführt werden
  • Konstante Medienpräsenz erwünscht