Altenrhein

Kein Bedarf für neue Linienflüge ab Altenrhein

Das spektakuläre Scheitern der «weltweit kürzesten internationalen Linienflugverbindung» zwischen Altenrhein und dem 20 Kilometer entfernten Friedrichshafen im letzten Jahr hat wieder einmal eindrücklich gezeigt, dass die Bäume in Altenrhein nicht in den Himmel wachsen. Die Passagiere sind ausgeblieben. Der Markt hat die Betreiber der Airport Altenrhein AG eines Besseren belehrt und ihre von Hoffnung und Wunschdenken geleiteten Nachfrageprognosen Lügen gestraft. Es besteht kein Bedarf für neue Linienflüge ab Altenrhein. Die einzige konzessionierte Linienflugverbindung nach Wien muss auch in Zukunft genügen. Das musste der Eigentümer der «People’s Viennaline », Markus Kopf, öffentlich eingestehen. Man habe den Markt völlig falsch eingeschätzt. Er könne sich auch künftig keine zweite rentable Linienflugdestination vorstellen. Der Flughafen Zürich mit riesigem Angebot sei zudem in nur gut einer Stunde erreichbar.

Mit dem abgebrochenen Kürzest-Flug-Abenteuer nach Friedrichshafen wird die lange Reihe gescheiterter Vorhaben in Altenrhein um ein illustres Kapitel reicher. Denn es ist eigentlich schon fast die Regel, dass anfangs hochgejubelte Projekte vorzeitig in einem – wirtschaftlichen – Absturz enden. Wie zum Beispiel bei der gescheiterten Kooperation mit der deutschen «Grob-Aerospace GmbH», beim vorzeitigen Übungsabbruch mit «Smartline» mit neuen Linienflügen nach Mönchengladbach oder auch nach anderen Destinationen wie London City, Frankfurt oder Hamburg.

Schlechte Karten für Flugfeld-Betreiber

Seit dem abrupten Abgang von CEO Daniel Steffen im letzten August hat Markus Kopf selbst die Leitung seines finanziell angeschlagenen Flugunternehmens übernommen. Er werde sich dabei auf den Ausbau des Charterflugverkehrs konzentrieren. Zudem seien in den nächsten Jahren Investitionen von 20 Millionen Franken geplant. Erfolg verspricht er sich auch beim Bemühen um eine Lockerung des in Altenrhein geltenden Lärmkorsetts, in erster Linie der Ausweitung der Betriebszeiten sowie der Streichung der Mittagspause für Linien- und Charterflüge.

Dazu dürfte Österreich jedoch kaum Hand bieten. Denn unsere östlichen Nachbarn sind sich im Klaren, was sie dem vor gut 25 Jahren unterzeichneten Staatsvertrag zwischen Österreich und der Schweiz zu verdanken haben. Das wurde auch anlässlich des Besuches einer AgF-Delegation im Landhaus Bregenz klar. Eine Aufweichung des Staatsvertrags stehe nicht zur Debatte, wurde uns durch Vorarlberger Regierungsvertreter glaubhaft versichert. Und ohne Österreich geht hier nichts.

Für die Anwohner hat sich in den letzten Jahren die Lärm- und Abgasbelästigung weiter erhöht. Die Zunahme der Helikopterflüge und der Geschäftsfliegerei sowie das nach wie vor ungelöste Problem der Standläufe ohne wirkungsvollen Lärmschutz in unmittelbarer Nähe der Wohngebiete verschärfen das Problem zusätzlich, so dass alles unternommen werden muss, die bedrohte Lebensqualität in der Region zu verteidigen. Die im Staatsvertrag verankerten Betriebseinschränkungen dürfen unter keinen Umständen aufgeweicht werden. Einmal mehr ruht die Hoffnung der betroffenen Bevölkerung auf der Standhaftigkeit unseres östlichen Nachbarn Österreich.

Heinz Grob, Rorschacherberg
Präsident AgF