Bern-Belp

Schallschutzkonzept vom Flughafen Bern gefordert

Der Schallschutz ist im Zusammenhang mit der 4. Ausbauetappe als auch mit dem beabsichtigten satellitengestützten Südanflug ein zentrales Thema, das von der Vereinigung gegen Fluglärm VgF zum Schutz der Anrainer und der Berner Bevölkerung intensiv verfolgt wird.

Mit dem Urteil von Mitte November 2016 genehmigte das Bundesverwaltungsgericht die 4. Ausbauetappe für den Flughafen Bern mit gewissen Auflagen zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm. VgF und VCS beurteilten die gemachten Auflagen als ungenügend und forderten in einer Beschwerde ans Bundesgericht vom Flughafen Bern die Erstellung eines Schallschutzkonzepts, das die Anwohner im lärmakustischen Einwirkungsbereich des Flughafens Bern vor gesundheitsschädigenden Aufwachreaktionen schützt.

Mit Entscheid Mitte November 2017 hat das Bundesgericht die Beschwerde von VgF und VCS im Zusammenhang mit der 4. Ausbauetappe nun zwar abgewiesen, lässt aber Türen offen für eine Neubeurteilung einerseits bei Zunahme der Flugbewegungen oder bei lauteren Flugzeugmodellen, anderseits im Zusammenhang mit dem pendenten Verfahren betreffend Südanflug.


Die VgF hat gegen das Anflugverfahren auf die Piste 32 des Flughafens Bern beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht

Am 15. Januar 2018 hiess das UVEK die Plangenehmigung in Sachen Südanflug gut und gleichentags erfolgte die Genehmigung der Änderungen des Betriebsreglements durch das BAZL. Damit sollte in Bern dem satellitengestützten Instrumentenanflug aus südlicher Richtung der Weg geöffnet werden.

Nach erfolgter Planauflage für den Südanflug im Juni 2013 gingen über 300 Einsprachen ein. Gemeinden in der Einflugschneise, Umweltverbände, Betroffene, selbst flugnahe Vereinigungen sprachen sich gegen das neue Anflugverfahren aus. Das BAZL und das UVEK haben sich mit diesen Einsprachen und insbesondere auch mit den Anträgen und Ausführungen der VgF grösstenteils nicht auseinandergesetzt.

Gemäss Medien sind nun rund ein Dutzend Beschwerden gegen den Südanflug beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht worden. Mit diesem Weiterzug wehren sich nebst der VgF auch einzelne Gemeinden in der Einflugschneise sowie erneut flugnahe Kreise wie etwa der Aeroclub der Schweiz (AeCS) und der Schweizerische Hängegleiterverband SHV.

Die VgF befürchtet mit diesem vereinfachten Anflugverfahren auf den Flughafen Bern eine Zunahme der Flugbewegungen und damit sowohl in der Anflugschneise als auch in der Abflugschneise, die über die Stadt Bern führt, deutlich mehr Fluglärm. Mit dem Weiterzug fordert die VgF eine detailliertere und aktuelle Umweltverträglichkeitsprüfung, eine lärmoptimierte Routenführung als auch einen steileren Anflugwinkel um Lärmimmissionen bestmöglich zu verhindern, sowie ein Schallschutzkonzept für die Tagesrandzeiten.


Ausbau Flughafen Bern mit öffentlichen Geldern

Mit dem Bauprogramm 2018-2020 soll am Flughafen Bern der Linien- und Charterverkehr und die übrigen Flugbereiche entflechtet sowie die Infrastruktur erneuert werden. Geplant sind der Bau eines neuen Rollwegs mit einem Shelter, ein Business Aviation Center und ein Grosshangar. Der Flughafen hat ein Unterstützungsgesuch beim Kanton eingereicht. Die Finanzkommission beantragte dem Grossen Rat des Kantons Bern, dem Kantonsbeitrag von 2 Millionen Franken für den Ausbau der Infrastruktur des Flughafens Bern zuzustimmen. Es ist anzunehmen, dass auch diese Subvention vom Kanton durchgewunken wird – die Fluglobby versteht es, von den externen Kosten abzulenken und einmal mehr auf die Wertschöpfung zu verweisen. Mit Recht darf die Frage gestellt werden, wie sich die Wertschöpfung hinsichtlich der im Umfang zunehmenden Business-Jet-Sparte für die lärmgeplagten Anrainer und die Region denn in Wirklichkeit darstellen wird.

Guido Frey, Geschäftsführer
Vereinigung gegen Fluglärm VgF