Die Luftfahrtbranche hebt ab

Die Zunahme des weltweiten Flugverkehrs ist ungebrochen, dies ungeachtet der rasant fortschreitenden Klimaerwärmung. Eine Trendwende ist nicht absehbar. Im Gegenteil. In den nächsten 20 Jahren sind gigantische Investitionen von 5 bis 6 Billionen Dollar geplant – mit rund 35’000 neuen Flugzeugen. Das sind die Eckwerte der prognostizierten Expansion in der Luftfahrtbranche, welche noch immer von Klimaschutzmassnahmen ausgenommen ist.

Ungeachtet der fortschreitenden Klimaerwärmung befindet sich die «Luftfahrtbranche im Steigflug». Wie die Sonntagszeitung vor kurzem berichtete, geht das im letzten Jahr registrierte starke Wachstum in diesem Jahr unvermindert weiter. Laut Alexandre de Juniac, Chef des Luftfahrt - Weltverbandes IATA, seien letztes Jahr weltweit vier Milliarden Menschen und 60 Millionen Tonnen Fracht in der Luft transportiert worden. Rund um den Erdball hätten die Passagiere dabei gegen 750 Milliarden Dollar pro Jahr ausgegeben. Im Jahr 2018 sollen die Passagierzahlen um weitere 5,6 Prozent wachsen. Da auch das Frachtsegment stark wächst, wird in den kommenden 20 Jahren eine Verdoppelung der weltweiten Flotte vorausgesagt. Im 2017 sind 1683 neue Maschinen in Betrieb gesetzt worden. Dieses Jahr kommen noch einmal rund 1’000 Jets dazu, so dass die Gesamtflotte dann rund 30’000 Flugzeuge beträgt.

Trotz Pleiten von Fluggesellschaften wie Air Berlin, Niki oder dem britischen Ferienflieger Monarch expandiert die Luftfahrtbranche unvermindert weiter. Die Flugzeughersteller profitieren ganz direkt davon. Ihre Auftragsbücher sind prall voll. Der europäische Airbus-Konzern etwa erwarte bis zum Jahr 2036 eine Nachfrage von 34’900 Maschinen, während US-Erzrivale Boeing im selben Zeitraum gar die Auslieferung von mehr als 41’000 Flugzeugen voraussagt. Dieses gewaltige, besorgniserregende Wachstum wird eigentlich nur gebremst durch zunehmende Kapazitätsengpässe auf den Flughäfen. Die IATA rechnet darum mit zusätzlichen Kapitalkosten von 5 bis 6 Billionen Dollar. Andere Einschränkungen existieren praktisch nicht.

Der Flugverkehr ist mit seinen klimaschädlichen CO2-Emissionen ein Hauptverursacher der Klimaerwärmung. Trotzdem bleibt er noch immer von wirkungsvollen Klimaschutzmassnahmen verschont. Trotz Klimavertrag von Paris, mit welchem die Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden sollen, um die menschengemachte globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Es ist höchste Zeit, dass die ungerechtfertigte Privilegierung des Flugverkehrs endlich beendet wird.

Heinz Grob, Rorschacherberg