Zankapfel Flugplatz Dübendorf

Seit der Einstellung des Jet-Betriebs im Dezember 2005 ist der Flugplatz Dübendorf (FPD) Gegenstand einer permanenten Auseinandersetzung über seine künftige Nutzung und hat gerade in jüngster Zeit grosse Aktualität und öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Nachstehend werden die wesentlichen Entwicklungen seit 2005 nachgezeichnet und die aktuelle Situation aufgezeigt.


Der Regierungsrat des Kantons Zürich (RR) spricht sich im Mai 2010 gegen eine weitere aviatische Nutzung des Flugplatzareals Dübendorf aus und beschliesst, die weitere Entwicklung im Rahmen eines Gebietsmanagements zu bearbeiten. 2012 erklärt der RR, dass er auf dem Kantonsgebiet einen Innovationspark errichten will, wobei das Flugplatzgelände in Dübendorf als Standort im Vordergrund steht.

Im September 2014 hat der Bundesrat (BR) entschieden, 70 Hektaren Land des FPD für einen Innovationspark zu Verfügung zur stellen, und das restliche Areal als ziviles Flugfeld mit Bundesbasis zu nutzen. Ausserdem hat der BR die Flugplatz Dübendorf AG (FDAG) als künftige Betreiberin bestimmt und möchte mit ihr weitere Verhandlungen über den Betrieb der Zivilaviatik in Dübendorf führen. Die FDAG stützt sich auf ein Aktionariat aus den Bereichen der Geschäftsluftfahrt, Leichtaviatik und Luftrettung. Kernelemente des Konzepts von Bund und FDAG sind die Verlagerung der Business Aviatik und der Kleinfliegerei vom Flughafen Zürich-Kloten nach Dübendorf. Dies verbunden mit einer massiven Ausweitung der Betriebszeiten (von heute 07:30 – 12:00 und 13:15 – 17:00 auf 06:30 – 22:00 wochentags sowie zusätzlich an Wochenenden) sowie einer Verdoppelung der Flugbewegungen (von heute ca. 14’000 auf mind. 28’000 pro Jahr).

Ende 2015 wurde die «IG Zivilflugplatz Dübendorf NEIN» (IG ZFDN) gegründet. Für ihr Wirken hat die IG ZFDN folgende sechs Zielsetzungen definiert: (1) keine weitere Lärmbelastung, (2) keine Erweiterung der Betriebszeiten am frühen Morgen, am Abend und an den Wochenenden, (3) keine massive Zunahme der Flugbewegungen, (4) keine vierte Piste des Flugplatzes Zürich-Kloten, (5) kein zusätzliches Sicherheitsrisiko aufgrund der ohnehin schon hohen Komplexität im Zürcher Luftraum sowie (6) Kostenwahrheit und keine Subventionierung der Business- und Privatfliegerei.

Heute beherbergt der Militärflugplatz Dübendorf neben dem Militär (operative Führung der Luftwaffe, Helikopter Basis, Flächenflugzeuge) noch die Rega und Kantonspolizei (Helikopterbasis), Skyguide und das Air Force Center (Ju-Air / Flieger Flab Museum).

Der FPD gehört zur Region Glattal – einem der am dichtest besiedelten Gebiete der Schweiz – und wird mit dem heutigen (vorwiegend militärischen) Flugbetrieb allgemein nicht in Frage gestellt. Seit jeher haben die drei Standortgemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen (Gemeinden oder Standortgemeinden) jedoch geschlossen eine zivil-aviatische Nutzung klar abgelehnt und sich gegen die vorgenannten Entscheide des Bundes für ein ziviles Flugfeld gewehrt. Die Ansiedlung des Innovationsparks hingegen begrüssen sie.

Lange konnten sie dabei auch auf die Unterstützung des Zürcher RR zählen, der in der Vergangenheit die Business-Aviatik ebenfalls abgelehnt hatte. Im Januar 2017 hat der RR dann umgeschwenkt und seine Opposition gegen die Pläne des Bundes aufgegeben. In seinen neuen Eckwerten für die Zivilaviatik hat der RR dem Flugbetrieb in Kloten klare Priorität gegenüber Dübendorf eingeräumt, Lärmoptimierungen seien anzustreben und die Entwicklung des Innovationsparkes soll durch die Aviatik nicht beeinträchtigt werden.

Um den Plänen des Bundes proaktiv entgegenzutreten, haben die drei Gemeinden im Herbst 2016 zurEntwicklung desFPDdasKonzept «Historischer Flugplatz mit Werkflügen» (HFW) ausgearbeitet. Leitgedanke dabei war, dass die Entwicklung der Flugbewegungen für die Bevölkerung erträglich und die Fluglärmbelastung beschränkt bleiben sollen. Zielsetzungen sind Werkflüge jedoch keine Business Aviatik, eine moderate zusätzliche Fluglärmbelastung für die Bevölkerung, stufenweise und flexible Weiterentwicklung der heutigen Nutzungen, Wertschöpfung durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region statt zusätzlicher Passagierflüge, maximale Nutzung der Synergien zwischen Luftwaffe und Flugplatzbetreiber und vor allem die eigene Steuerung der Entwicklung des FPD. Operative Kernelemente dafür sind einige zusätzliche Nutzungen, die Beibehaltung der heutigen Betriebszeiten und eine moderate Erhöhung der Flugbewegungen auf max. 20’000 pro Jahr.

Der Zürcher RR hat im Januar 2017 das Konzept HFW als zusätzliche Grundlage für den anstehenden SIL-Koordinationsprozess beim Bund eingereicht. Im März 2017 hat das UVEK gegen das Angebot entschieden und erklärt, es in der vorgelegten Form nicht weiterzuverfolgen. Das Konzept wurde zwar als operativ machbar eingestuft, bemängelt wurden aber v.a., dass das strategische Ziel des Bundes der Verlagerung der Business Aviatik nach Dübendorf nicht erreicht werde und die Finanzierung nicht gesichert sei.

Die Standortgemeinden hielten jedoch weiter an ihrem Konzept fest. Sie haben sich einerseits auf einen interkommunalen Vertrag zur Zusammenarbeit und Gründung einer Aktiengesellschaft und anderseits auf eine Finanzierungsvorlage geeinigt, um das Konzept mit der Unterstützung des Stimmvolks bzw. der Bevölkerung umsetzen zu können. Alle relevanten politischen Gremien der Exekutive und Legislative sowie fast alle Ortsparteien der drei Gemeinden unterstützten das Gemeindekonzept. Vehement bekämpft wurde es nur von einer Partei sowie vom Forum Flugplatz Dübendorf.

In dieser Zeit hat sich aus Vertretern der Wirtschaft, der Politik und der Bevölkerung das Pro Komitee HFW mit dem Slogan «… eine gute Lösung» gebildet, das das Gemeindekonzept unterstützte und beim Abstimmungskampf federführend war.

Am 26. November 2017 haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aller drei Standortgemeinden dem Konzept HFW an der Urne mit deutlichen Mehrheiten zwischen 58 und 74 Prozent klar zugestimmt. Die Vorlage beinhaltete die Bewilligung der finanziellen Mittel für die Gründung einer Aktiengesellschaft und das jährliche Betriebsdefizit sowie einen interkommunalen Die Bevölkerung hat damit ein klares und unmissverständliches Zeichen gesetzt, dass sie unter der Selbstbestimmung der Gemeinden zu einem Flugplatz mit hoher Wertschöpfung am Boden mit wenigen Flugbewegungen im Rahmen der aktuellen, eingeschränkten Flugzeiten steht und den vom Bund geplanten Business-Airport als vierte Piste von Kloten ablehnt. Mit dem Abstimmungsergebnis haben die drei Gemeinden nun die Voraussetzungen geschaffen, im Dialog mit dem Kanton und dem Bund das Gemeindekonzept voranzutreiben. Von Februar 2017 – Februar 2018 waren die Gemeinden Teilnehmer der SIL-Koordinationsgespräche. Im Sommer dieses Jahres soll der Schlussbericht zu den SIL-Koordinationsgesprächen veröffentlicht werden und danach plant der Bund den Entwurf des SIL-Objektblattes gegen Ende dieses Jahres öffentlich aufzulegen.

Ungeachtet der ablehnenden Haltung von Vertretern des Zürcher RR sowie des BAZL kurz nach dem Volksentscheid werden die drei Gemeinden den eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgen und am Volksentscheid festhalten. So haben sie Ende Januar 2018 bereits den interkommunalen Vertrag unterzeichnet.

Die IG ZFDN hat das Gemeindekonzept vollumfänglich unterstützt, da es ihre Forderungen weitgehend erfüllt. Sollte es jedoch beim Bund nicht die erwartete Zustimmung finden, werden sich die IG ZFDN wie auch andere Institutionen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weiterhin gegen die angedachte Geschäfts- und Privatfliegerei in Dübendorf einsetzen.

IG Zivilflugplatz Dübendorf NEIN
Burkhard Huber
Vizepräsident des Vorstands