Altenrhein

Drohende Ausweitung des Flugbetriebs

In Altenrhein stehen die Zeichen klar auf Ausweitung des Flugbetriebs. Der Druck der Luftfahrtlobby zur Ausdehnung der Öffnungszeiten wird immer grösser und als notwendige Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg gefordert. Dabei werde «...eine Angleichung an die Betriebszeiten anderer Schweizer Flughäfen» angestrebt, konkretisierte ein Vertreter der Airport Altenrhein AG.

Hinter den Kulissen wird denn auch intensiv an der Ausweitung der geltenden Betriebszeiten gearbeitet. Dies mit aktiver Unterstützung der St.Galler Regierung, welche offenbar zusammen mit Regierungsvertretern Vorarlbergs nach Wegen zur Sprengung des geltenden Betriebszeitenregimes sucht. So bestätigte der St.Galler Regierungspräsident Stefan Kölliker am 28. September 2018 öffentlich: «Man steht zwischen den Regierungen St.Gallens und Vorarlbergs laufend in Diskussion und überprüft, ob ein Ausbau ab Altenrhein möglich ist.»

Bereits Anfang 2017 haben zudem St.Gallen und Vorarlberg eine «Interessensanalyse zur Regionalen Entwicklungsstrategie Airport Altenrhein » in Auftrag gegeben. Darin sollen Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt und eine erste Basis für ein künftig gemeinsames, strategisches Vorgehen von Region und Airport geschaffen werden. Die ursprünglich auf Herbst 2017 in Aussicht gestellten Ergebnisse stehen noch aus und sollen nun diesen Herbst veröffentlicht werden.

Die geltenden Betriebszeiten sind im Staatsvertrag von 1991 zwischen der Schweiz und Österreich, im sogenannten Lärmkorsett, festgeschrieben. Darunter auch eine Mittagspause zwischen 12 und 13.30 Uhr zum Schutz der Bevölkerung, was speziell ein Dorn im Auge der Flugplatzbesitzerin ist. Österreich hat sich bisher strikt gegen jegliche Versuche gestellt, die Öffnungszeiten und damit den Staatsvertrag aufzuweichen. Denn unsere östlichen Nachbarn sind sich im Klaren, was sie dem vor 27 Jahren unterzeichneten Staatsvertrag zwischen Österreich und der Schweiz zu verdanken haben. Es ist zu hoffen, dass auch in Zukunft auf ihre Standhaftigkeit gezählt werden kann.

Flugplatz in die Schranken weisen

Derweil werden die offiziellen Betriebszeiten beinahe täglich ungestraft übertreten, indem die Airport Altenrhein AG ihre Berechtigung zur Erteilung von Sonderbewilligungen für Flüge ausserhalb der Öffnungszeiten einseitig zu Gunsten des Flugplatzes ausnützt. Das dokumentieren jeweils die Listen ‹Ausnahmebewilligungen› des Flugplatzes Altenrhein, die wir monatlich vom BAZL zugestellt erhalten. Allein im Monat August 2018 waren es wieder 60 Ausnahmen. Weil das BAZL als Aufsichtsbehörde diese untragbare Praxis akzeptiert und die Übertretungen nicht sanktioniert, verkommt das Betriebsreglement immer mehr zu reiner Makulatur. Aus diesem Grund hat unser Schutzverband Ende September beim BAZL eine Beschwerde gegen den Airport Altenrhein AG eingereicht und verlangt, dass es die wahllos erteilten Sonderbewilligungen ahndet und für die Wiederherstellung des rechtmässigen Betriebs auf dem privaten Flugfeld sorgt.

Charterflugverkehr soll ausgebaut werden

Nach dem grandios gescheiterten Kürzest-Flug-Abenteuer mit Linienflügen nach Friedrichshafen musste der Eigentümer und CEO der «People’s Viennaline», Markus Kopf, öffentlich eingestehen, dass man den Markt völlig falsch eingeschätzt habe und sich künftig keine zweite Linienflugdestination ab Altenrhein vorstellen könne. Schliesslich sei der Flughafen Zürich mit riesigem Angebot in nur gut einer Stunde erreichbar.

Stattdessen setzt man bei People’s nun auf den Ausbau des Charterfluggeschäfts und ist gewillt, Millionen dafür in modernstes Fluggerät und in ein neues Parkhaus mit 700 Plätzen zu investieren. Mindestens so lauteten die jüngsten Schlagzeilen. Die Anschaffung eines Embraer E190-E2, einem Passagierjet der neusten Generation, sei beschlossene Sache. Damit können künftig noch mehr Passagiere ab Altenrhein doppelt so weit wie heute transportiert werden, zum Beispiel nach Cypern, in die Türkei oder zu den griechischen Inseln. Und das nicht nur in den Sommermonaten...!

Womit unser Kampf um Ruhe, saubere Luft und Erhalt der Lebensqualität am oberen Bodensee aufs Neue gefordert werden dürfte.

Heinz Grob, Rorschacherberg,
Präsident Aktion gegen Fluglärm AgF