Bern-Belp

Grounding und Ende SkyWork – die Ruhe von Bern

Am Abend des 29. August 2018 landete letztmals eine Maschine von SkyWork in Bern. Nachdem bereits Ende Oktober 2017 die Airline drei Tage am Boden stand, war das Grounding diesmal endgültig. 11’000 verkaufte Tickets verloren ihre Gültigkeit, der Konkurs ist inzwischen eröffnet, die geleasten Maschinen stehen längst nicht mehr in Bern.

Auf dem Flughafen Bern wurde es vergleichsweise ruhig. Die in Altenrhein stationierte People’s operierte in den letzten Wochen noch im Auftrag von SkyWork und hält die Verbindung zur Destination Preveza in Griechenland aufrecht. Ansonsten fliegt lediglich die Helvetic noch einige Feriendestinationen an. Was längst offensichtlich war, bestätigte nun die Leitung der gescheiterten Airline: Es wurden Millionen verbrannt!

Mit dem Grounding von SkyWork wurde einmal mehr deutlich, dass Bern einen ungenügend grossen Markt aufweist, Linienflug vom Berner Moos aus rentabel zu gestalten. Nachfrage und Auslastung sind schlicht zu klein. Das dürfte auch in Zukunft nebst den im Winter stark beeinträchtigenden Meteobedingungen (Morgen- und Abendnebel) keine Basis für rentablen Linienflug ab Bern darstellen.

Flughafen Bern mit einschneidendem Umsatzrückgang

Nachdem die Flüge von SkyWork wegfallen und es auch weiterhin scheint, dass keine Airline sich kurzfristig in Bern ansiedeln wird, fallen grosse Umsatzeinbussen für den Flughafenbetreiber an. 60% der Flüge wurden von SkyWork durchgeführt. Unter dem Namen «Masterplan» sollte Bern für zusätzlichen Flugverkehr, insbesondere für Busines-Jets stark ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang steht auch der geplante satellitengestützte Südanflug GNSS 32.

Nun kam zum massiven Widerstand gegen die Ausbaupläne noch das Grounding des Homecarriers SkyWork dazu. Am 20. September verkündete der Flughafen, die Ausbaupläne vorerst auf Eis zu legen.

Die Vereinigung gegen Fluglärm VgF hat sich wiederholt deutlich geäussert, dass die Ausbaupläne überdimensioniert sind, dass die Nachfrage nicht in diesem Mass besteht und namentlich in politischer Hinsicht betont, dass öffentliche Gelder für diesen Ausbau unverantwortlich eingesetzt würden. Ob die vom Kanton Bern in Aussicht gestellten Gelder für den Ausbau unter den aktuellen Bedingungen von mehrheitlich Business-Fliegerei noch legitim sind, wurde aktuell durch eine Interpellation in Frage gestellt.

Demgegenüber denkt der Flughafen bereits laut darüber nach, den Flugbetrieb von der öffentlichen Hand subventionieren zu lassen und argumentiert damit, dass dies in anderen ÖV-Bereichen ebenfalls geschehe!

Stand Verfahren GNSS 32

Die Plangenehmigung für den satellitengestützten Südanflug auf den Flughafen Bern wurde Mitte Januar 2018 vom UVEK gutgeheissen. Die VgF befürchtet durch dieses vereinfachende Anflugverfahren eine Steigerung der Flugbewegungen und entsprechend mehr Fluglärm. Mit dem Weiterzug des Verfahrens an das Bundesverwaltungsgericht hat die VgF nebst betroffenen Gemeinden und weiteren Klägern die als ungenügend geklärte Umweltverträglichkeit, die nicht genügend optimierte Linienführung kritisiert und verlangt ein ausreichendes Schallschutzkonzept.

Mit einer Replik, eingereicht am 10. Oktober unterstrich die VgF die Forderungen und vertritt damit die Anliegen ihrer Mitglieder und zahlreicher fluglärmbetroffener Menschen in der Region.

Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt SIL, Konzeptteil

Das Planungs- und Koordinationsinstrument für die Zivilluftfahrt auf Ebene Bund ist der Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL). Der Konzeptteil enthält generelle Ziele und Vorgaben zur Infrastruktur der schweizerischen Zivilluftfahrt und legt das Gesamtnetz mit den Standorten und den Funktionen der Flugplätze fest. Der geltende Konzeptteil, verabschiedet im Jahr 2000 wird aktuell überarbeitet. Bis Ende September lief die öffentliche Mitwirkung. Die VgF hat sich einerseits als Mitglied von KLUG daran beteiligt und darüber hinaus, mit Bezug auf die Situation in Bern, auch selber eine Mitwirkungseingabe eingereicht. Die VgF kritisiert beim SIL-Konzeptteil, dass die Verfasser sowohl die Gesundheit der Menschen wie auch die Umwelt in ihren Konzepten gar nicht berücksichtigen und bloss einseitige wirtschaftliche Interessen, insbesondere diejenigen der Luftfahrtbranche vertreten. Die VgF spricht sich auch dezidiert gegen die geforderte Kompetenz des Bundes aus, die Verlegung von Flugbewegungen auf Regionalflugplätze zu verordnen, insbesondere von Linienflügen oder Business- und Privatflügen, und diese zusätzlich mit Steuergeldern zu subventionieren. Solche Flüge bringen der Region fast ausschliesslich nur Lasten und keinen entsprechenden Mehrwert.

Guido Frey, Geschäftsführer
Vereinigung gegen Fluglärm VgF