Lugano-Agno

Erneuter Betriebsverlust

Der Betreiber des Regionalflughafens Lugano-Agno schreibt seit Jahren eher rote als schwarze Betriebsergebnisse. Im 2017 resultierte erneut ein happiger Betriebsverlust von 1.21 Millionen Franken zulasten der Steuerzahler (87.5 % Stadt Lugano und 12.5 % Kanton Tessin als Eigentümer). Dies, bei im 2017 insgesamt 18’673 Flugbewegungen und 144’087 Passagieren. Zur Erinnerung: Ende der 90er Jahre träumte man im Tessin noch von jährlich 38’000 Flugbewegungen und 600’000 Passagieren.

Skywork Grounding mit Konsequenzen

Im Spätherbst 2017 ging die Tessiner Fluggesellschaft Darwin Airline, die zunächst unter die Flügel der Marke Ethiad Regional kam und zuletzt unter Adria Airways Switzerland operierte, Konkurs. Damit fiel auch die Fluglinie Lugano-Genf aus. Auf der Suche nach einer Lösung hätte die Berner Skywork Airlines deshalb im Herbst 2018 in die Bresche springen wollen (sollen). Doch dazu kam es wegen Konkurs der Skywork Airlines Ende August 2018 erst gar nicht.

Lugano Airport SA (LASA) in der Bredouille

Der Pleitegeier über den Schweizer Airlines hat nicht nur in Bern-Belp Auswirkungen, wo unter anderem die Ausbaupläne der Infrastruktur auf Eis gelegt wurden. Im Tessin wird krampfhaft nach einer anderen Airline gesucht, die die Linie nach Genf bedienen soll. Kaum war das Grounding der Skywork bekannt, wurde im Tessin prompt der unverfrorene Ruf nach Subventionen für den Betrieb dieser unrentablen Luftverbindung in die Romandie laut.

Vernachlässigbare Nachfrage

Recherchen des SSF ergaben: Im Durchschnitt der vier Jahre 2014 bis 2017 gab es auf der Strecke Lugano-Genf selbst bei sehr bescheidenen Flugticketpreisen jährlich nur gerade 1’848 Flugbewegungen mit jährlich 48’210 Passagieren. Pro Flugbewegung, das heisst in diesem Fall pro Hin- oder Rückflug, im Durchschnitt also bloss 26 Passagiere.

Mit Privatflugzeugen

Weil weit und breit keine Airline in Sicht ist, den Linienbetrieb ab Lugano in die Westschweiz aufzunehmen – so wenig wie in Bern-Belp eine neue Airline an den Start geht und dies wohl auf lange Zeit nicht – liebäugelt man im Tessin mit kleinen Privatjets von Flugtaxi-Unternehmen (Air Charter).

Anfangs September 2018 wurde jedenfalls im Handelsregister die Gründung der Luxaviation Lugano, Zweigniederlassung der ExecuJet Europe SA – mit Hauptsitz in Kloten – publiziert. Selbst bei optimaler Organisation von solchen privaten Charterflügen, resultieren erfahrungsgemäss «statusgemässe» Flugpreise, Preise der Luxusklasse eben, die bekanntlich meist als Geschäftsaufwand verbucht werden und sicher nicht auch noch mit Steuergeldern zu subventionieren sind.

Vorerst weiterer Kredit für 20 Millionen

Während auf dem Regionalflughafen Bern-Belp die Reissleine gezogen und alle Investitionsprojekte, inklusive die geplante vierte Ausbauetappe, eingefroren wurden, werden im Tessin unbeirrt grossartige Pläne gehegt, die dem Luganeser Airport grundsätzlich neues Leben einhauchen sollen. Koste es, was es wolle.

Vorerst soll es ein weiterer Kredit des Staates, diesmal über 20.1 Millionen Franken, richten, unter anderem für zwei neue Flugzeughangars sowie die Sanierung der Parkanlage P2 (6.1 Millionen CHF) und für den Kauf von Grundstücken im Flughafenperimeter (14 Millionen CHF) zur Erstellung eines neuen Passagierterminals und weiteren, aviatischen Infrastrukturanlagen.

Damit nicht genug

Gemäss Informationen der Stadt Lugano werden die zusätzlich erforderlichen Infrastrukturinvestitionen
(Terminal und weitere Anlagen) auf sagenhafte 49.1 Mio. CHF geschätzt. Dafür soll eine eigens zu gründende Immobilien-/Infrastrukturgesellschaft für private Investoren (Public Private Partnership [PPP]) entstehen. Trotz Millionenschätzung, und das gleich auf eine Kommastelle genau, gibt es jedoch bislang für dieses grössenwahnsinnige Vorhaben nicht einmal einen Masterplan! Wann die Kapitalzeichnung für private Investoren eröffnet wird, bleibt abzuwarten.