Altenrhein

Inakzeptable Verstösse gegen Öffnungszeiten

Offensichtlich baut das neue Geschäftsmodell der Airport Altenrhein AG auf einseitig ausgeweiteten Betriebszeiten auf. Denn anders kann man die täglich zu registrierenden Übertretungen der aktuell geltenden, im Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Österreich festgelegten Öffnungszeiten nicht interpretieren. Zwischen 30 und 80 sogenannte «Ausnahmenbewilligungen» für Flüge ausserhalb der geltenden Öffnungszeiten werden von der Flugplatzleitung pro Monat erteilt, ohne Not und zwingende Gründe.

Wie in der letzten FLAB erwähnt, hat unser Schutzverband im September 2018 beim BAZL eine Beschwerde gegen den Airport Altenrhein AG eingereicht und verlangt, dass es als Aufsichtsbehörde die wahllos erteilten Sonderbewilligungen ahndet und für die Wiederherstellung des rechtmässigen Betriebs auf dem privaten Flugfeld sorgt. Anfangs Jahr erhielten wir die Stellungnahme des Flugplatzleiters. Die erteilten Ausnahmen seien aus wirtschaftlichen Gründen notwendig, stand zu lesen. Diese Aussage mutet eigenartig an, denn anlässlich unseres Treffens mit dem Eigentümer des Flugplatzes und weiteren Kadermitgliedern wusste auf die Frage, wieviel Einnahmen über die Mittagszeit generiert werden könnten, niemand eine Antwort. In unserer Replik gaben wir einmal mehr zu bedenken, dass die Betriebszeiten Bestandteil des Staatsvertrags sei. Es stehe jedoch dem Eigentümer frei, Antrag zur Änderung des Reglements zu stellen.

Mitte März nun hat das BAZL unsere Beschwerde «erwartungsgemäss» abgelehnt und uns ihren Entscheid in Form einer anfechtbaren Verfügung mitgeteilt. Der Entscheid, ob wir die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht weiterziehen werden, steht noch aus.

Rücksichtslose Ausbauwünsche der St. Galler Regierung

Die St. Galler Regierung unterstützt seit jeher sämtliche Ausbauwünsche des privaten Flugfeldbetreibers in Altenrhein ohne wenn und aber. Selbst die umweltpolitisch höchst unsinnigen 8-Minuten-Linienflüge über den Bodensee wurden seitens unserer Kantonsregierung als Aufwertung des Wirtschaftsstandortes gelobt und begrüsst.

Anfang 2017 haben St. Gallen und das Bundesland Vorarlberg eine «Interessenanalyse zur Regionalen Entwicklungsstrategie Airport Altenrhein» in Auftrag gegeben. Darin sollten Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt und eine erste Basis für ein künftig gemeinsames, strategisches Vorgehen von Region und Airport geschaffen werden. Hauptaufgabe der Analyse war abzuklären, in welche Richtung sich der Airport Altenrhein als Standort in der Region entwickeln soll. Befragt wurden politische Gremien, Gemeinden, die Wirtschaft, Tourismus, Natur /Umwelt, die Flugfeldbetreiberin und die AgF. Im November 2018 wurde die Analyse veröffentlicht.

Die Befürchtung, dass es sich bei der Analyse um eine reine Alibiübung zur Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen des Airport Altenrhein handelt, bewahrheitete sich leider. Dass eine Kantonsregierung die negativen Effekte des Flugbetriebs in Altenrhein als gering bis mittel einschätzt, ist ungeheuerlich. Dies, nachdem allseits bekannt ist, wie sehr auch die Fliegerei zum Problem der Klimaerwärmung beiträgt. Nicht einmal die ausgetrockneten Felder und das – auch im Wasserschloss Schweiz – fehlende Wasser des Hitzesommers 2018 als Folge der Klimaerwärmung weckten unsere Kantonsführer auf. So ist es leider auch nicht erstaunlich, dass sie die Öffnung des Flugfeldes in Altenrhein über den Mittag und die längeren Flugzeiten in den Abendstunden klar befürworten. Diese rücksichtslose Haltung wird auf dem Buckel der vom Fluglärm betroffenen Bevölkerung ausgetragen. Dagegen ist doch jede Einschränkung in der Fliegerei absolut zeitgemäss und aufgrund der klimatischen Tatsachen ein dringliches Gebot.

Aber bitte kein Fluglärm aus Zürich

Pikanterweise hat gemäss Medienmitteilung im Januar die Fluglärmorganisation Region Ost Verstärkung durch die Regio Appenzell AR-St. Gallen-Bodensee erhalten. Die Behördenorganisation Region Ost setzt sich für den Schutz der Bevölkerung östlich des Flughafens Zürich vor übermässigem Fluglärm ein. Unser Schutzverband AgF begrüsst selbstverständlich jeglichen Einsatz gegen Flugemissionen und zwar egal welchen örtlichen Ursprungs diese haben. Wir haben unsere Regierung gefragt: «Wie bitte erklären
Sie unserer Bevölkerung am Bodensee die klare Befürwortung und Unterstützung eines Ausbaus des Flugbetriebes auf dem privaten Flugfeld in Altenrhein, wenn Sie sich gleichzeitig gegen den Fluglärm aus Kloten engagieren?»
Die Antwort der Regierung ist noch ausstehend.

Cécile Metzler, Rorschacherberg
Vizepräsidentin Aktion gegen Fluglärm AgF