Bern-Belp

Trügerische Ruhe in Bern

Nach dem Grounding und Konkurs der SkyWork Airlines Ende August 2018 wurde es am Berner Himmel vorerst merklich ruhiger. Ein Blick in die Statistik der Flugbewegungen von Linien- und Charterflügen veranschaulicht die Auswirkungen dieses Groundings eindrücklich. Während 2017 noch 5’832 Flugbewegungen von Linien- und Charterflügen verzeichnet wurden, sank diese Zahl 2018 auf 4’003 Bewegungen. Verglichen mit dem Rekordjahr von 2012 mit 11’211 Flugbewegungen in diesem Segment, betrugen diese letztes Jahr nur noch ungefähr einen Drittel. 2018 wurden in Bern total noch 137’042 Passagiere befördert, im Vorjahr 167’566. Insbesondere im letzten Quartal 2018 ist der Vergleich frappant. Mit nur gerade noch 68 Flugbewegungen von Linien- und Charterflügen wurden 5’039 Passagiere befördert. Im 4. Quartal des Vorjahres waren es noch 1’085 Bewegungen mit total 28’421 Passagieren.

Bislang sieht es nicht danach aus, dass sich erneut eine nennenswerte Fluggesellschaft mit ihrer Homebasis in Bern ansiedeln will. Aktuell verkehren Helvetic Airways, People’s und Zimex Aviation auf dem Flughafen und bieten Flüge zu fünf Feriendestinationen an. Bern ist beim Linien- und Charterverkehr also vorerst nur ein Ausgangsflughafen für auswärtige Feriendestinationen. Es gibt offenbar verschiedene Bestrebungen, von Bern aus mit einer «eigenen» Flotte weitere Ferienflüge, insbesondere ans Mittelmeer, anzubieten. Generell wird von der Vereinigung gegen Fluglärm VgF befürchtet, dass die «freien Kapazitäten» in Bern von weiteren Fluganbietern und Airlines als Anlass genommen werden, den Flughafen Bern als Ausweichflughafen für zusätzliche Ferienflüge zu verwenden und dass so die Flugbewegungen und damit auch der Fluglärm wieder wesentlich zunehmen könnten.

Zudem wird von den Verantwortlichen des Flughafens der Geschäfts- und Privatreiseverkehr weiterhin stark gefördert. So gibt es in der Region Bern zeitweise immer mehr Business- und Privatjets, mit beträchtlichem Lärm für nur wenige Passagiere und fraglichem volkswirtschaftlichem Nutzen.

Der drastische Einbruch bei den Linien- und Charterflügen hat zu einem Umsatzeinbruch und zu einem Stellenabbau beim Flughafen geführt. Selbst im Organigramm des Flughafens zeichnet sich der Spardruck ab, wo einzelne Funktionen in Personalunion besetzt wurden und die Stelle des Sicherheitsbeauftragten Brandschutz gar als vakant dargestellt ist!

Sonderstatus für Bern-Belp

Laut einem jüngst erschienenen Medienartikel drängt der Flughafen Bern-Belp, genau wie Lugano-Agno auf einen Sonderstatus, um an mehr Geld des Bundes heranzukommen. Im Entwurf des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt SIL sollen Bern und Lugano eine bevorzugte Stellung erhalten. Sie erscheinen in der neuen Kategorie «Regionalflughäfen mit Anbindungsfunktion» – weil sie eine Brücke von den «Sprach- und den grossstädtisch geprägten Handlungsräumen» zum internationalen Luftverkehr schlagen und deshalb ein besonderes öffentliches Interesse geniessen. Die Auswirkungen solcher Finanzspritzen auf den Flugverkehr und den Fluglärm sind nur schwer absehbar.

Vorerst keine öffentlichen Gelder für den Flughafen

Der überdimensionierte Ausbau am Flughafen Bern, die sogenannte 4. Ausbauetappe wurde mit Investitionen von 17,7 Millionen Franken budgetiert. Der Bund sollte 2,7 Mio. an Rollweg, Shelter und Business Aviation Center beitragen. Weiter wurde ein zinsloses Bundesdarlehen von 4 Mio. gesprochen. Der Kanton Bern sprach einen Investitionsbeitrag von 2 Mio. und haftet für die Hälfte des Bundesdarlehens! Gesamthaft beträgt der Anteil öffentlicher Gelder damit 49% der Investitionssumme, während die Eigenmittel des Flughafens mit 2,5 Mio gerade mal 14% ausmachen.

Nach dem Konkurs der SkyWork Airlines hat der Flughafen die geplanten Investitionsprojekte vorerst sistiert. Vom Kanton Bern sind deshalb noch keine Gelder geflossen. Aufgehoben ist der Beschluss des Kantons zur Mitfinanzierung der geplanten Infrastrukturausbauten allerdings nicht!

Südanflug Bern – GNSS32

Am geplanten Südanflug halten die Flughafenbetreiber jedoch fest. Die trügerische Ruhe, welche zeitweise am Flughafen herrscht, täuscht darüber hinweg, dass dort umtriebig nach Lösungen gesucht wird, erneut ein Liniennetz aufzubauen, Charterverbindungen für die Feriendestination zu finden und die Infrastruktur zu optimieren. Zu letzterem zählt der satellitengestützte Anflug aus Süden auf die Piste 32.

Die Vereinigung gegen Fluglärm VgF wehrt sich zusammen mit andern mit rechtlichen Mittel gegen diesen Südanflug, weil er den Flughafen attraktiver macht und so zu mehr Flugverkehr und mehr Fluglärm führen wird. Das Beschwerdeverfahren liegt aktuell beim Bundesverwaltungsgericht. Das BAZL als Vorinstanz und das für eine Stellungnahme beigezogene BAFU sind leider nicht bereit, sich mit den Folgen von Fluglärm auf die Gesundheit von Anwohnenden auseinanderzusetzen.

Der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes ist im Verlauf des Frühlings zu erwarten.

Guido Frey, Geschäftsführer
Vereinigung gegen Fluglärm VgF