BUOCHS

Subventionen der Armasuisse

Bislang hat die Eidgenossenschaft von den zahlreich überzähligen Militärflugplätzen erst knapp eine Handvoll zivil umgenutzt. Und dies vor allem dort, wo sie die Anlagen vollständig verkauft hat und wo insbesondere auch kein namhafter Widerstand gegen einen rein zivilen Flugplatz zu erwarten war. So etwa auf gewissen Berner Oberländer Flugplätzen, beispielsweise Saanen-Gstaad.

Dass es auf diversen Militärflugplätzen seit Jahren nicht so recht vorwärts geht, ist den zivilen Mitbenützern der Militärflugplätze, auf denen das Verteidigungsdepartement (VBS) nach wie vor zumindest wichtige Teile der militäraviatischen Infrastruktur als Eigentümerin hält, wohl nur Recht. Denn je länger das VBS teilweise oder ganz im Besitz der Anlagen bleibt, umso länger erhalten die zivilen Flugplatzbetreiber vom Bund jährlich wiederkehrende finanzielle Beiträge, beispielsweise als sogenannte «Abgeltung» des Bundesamtes für Rüstung (Armasuisse) für den Unterhalt und die Pflege der militäraviatischen Infrastruktur. Und umso länger ist die aviatischen Nutzung im zivilen wie auch militärischen Interesse (in der ausserordentlichen Lage) gewährleistet.

Ob und inwiefern die rein zivile Mitbenutzung dieser militär-aviatischen Infrastruktur in der mit Steuergeldern finanzierten Abgeltung berücksichtigt wird, bleibt seit Jahren ein Geheimnis. Tatsache ist, dass die Eidgenossenschaft bis heute in allen bekannten Fällen Netto-Zahler und somit die zivilen Flugfeldbetreiber die Zahlungsempfänger sind. So auch auf dem Flugplatz Buochs, wo die Airport Buochs AG mit der «Bundes-Abgeltung» zumindest – indirekte – erhebliche Subventionen erhält. Derzeit jährlich 185’000 Franken.

Pikant: Der zivile Hauptnutzer des Buochser Flugplatzes – der zu 50% am Aktionariat der Airport Buochs AG beteiligt ist – generiert als etablierter Industriebetrieb jährlich Milliardenumsätze und stolze Gewinne. Dieser ist also längst flügge und wahrlich nicht mehr auf indirekte Fördergelder aus dem Budget des Verteidigungsdepartementes angewiesen.

Alpinlift-Heli auf Kollisionskurs

Von Jahr zu Jahr wird anlässlich der Lauberhorn Skirennen im Berner Oberland zunehmend stärkerer Helikopter-Taxiflug-Verkehr festgestellt. Einer der Platzhirsche in diesem Geschäftsfeld ist die Swiss Helikopter, die ab vierzehn Standorten in der Schweiz operiert.

Sie bewarb ihre Heliflüge dieses Jahr wie folgt: «Helikoptertransfer an die 89. Internationalen Lauberhornrennen vom 18. bis 20. Januar 2019 – ohne Wartezeit mit Swiss Helikopter! Geniessen Sie eine bequeme An- und Rückreise in die Nähe der Rennstrecke und entfliegen Sie an Bord unserer Helikopter dem grossen Verkehrsaufkommen».

Daneben gibt es weitere Unternehmen, die im lukrativen Heli-Taxigeschäft am Lauberhorn mitmischen. So beispielsweise auch die auf dem Flugfeld Buochs ansässige Alpinlift Helikopter AG oder die Air Zermatt AG, Zermatt. Und just zwischen diesen beiden Helibetreibern kam es am 19. Januar bei ihren gewerbsmässigen Flügen mit Passagieren auf Girmschbiel (erweiterte Wengernalp), auf über 1’800 m.ü.M., um 10:34 Uhr zu einem schweren Vorfall, einem sogenannten «Airprox». Dieser ereignete sich in einer Flughöhe von 7’800 Fuss, beziehungsweise 2’377 m.ü.M.

Der Pilot der Maschine der Air Zermatt, ein Airbus Helicopter, Typ EC 130 T2 mit Kennzeichen HB-ZAZ startete mit 6 Passagieren auf dem Heliport Lauterbrunnen (LSXL) mit dem Ziel Kleine Scheidegg.

Startort des Piloten der Maschine der Buochser Alpinlift Helikopter AG, ein Bell Helikopter, Typ 407 mit Kennzeichen HB-ZNW mit ebenfalls 6 Passagieren war der Winterflugplatz Blumental (LSWB) mit Ziel Winterflugplatz Lauberhornschulter (LSWL).

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hat eine Untersuchung eröffnet. In ihrem Vorbericht vom 7. Februar 2019 hält sie im Kurzbeschrieb zum Vorfall fest: «Gefährliche Annäherung zweier Helikopter auf Kollisionskurs». Man wage nicht an die Tragödie zu denken, die ein Zusammenstoss und Absturz der zwei Helis mit insgesamt 14 Personen zur Folge gehabt hätte. Mit viel Glück kam es just am Tag des Lauberhorn Abfahrtsskirennens der Männer nicht zum Super-Gau.

Gelingt Light Wing der Durchbruch?

Die auf dem Flugfeld Buochs ansässige Light Wing AG ist seit Jahren in der Entwicklung des Leichtflugzeuges des Typs AC4 (Air Carrier 4 seats, 2- bis 4-Sitzer) mit einem Abfluggewicht von 600 kg und einer Nutzlast von 230 kg tätig Die Firma wurde im Jahr 2000 gegründet und hatte einst reichlich optimistische Businesspläne. Laut der Nidwaldner Zeitung vom 2. April 2011 ging man für 2012 von 15 verkauften Flugzeugen aus. 2016 wollte man schon bei jährlich 88 Flugzeugen sein. Aus damaliger Sicht sollten innert drei Jahren schwarze Zahlen möglich sein. Sollten.

Doch die Light Wing AG, die seit ihrer Gründung Förderungsgelder von Bund, Kanton und der Privatwirtschaft erhält, ist sehr weit entfernt von ihren damals in der Planung prognostizierten Stückzahlen für die AC4. In der Schweiz sind – Stand März 2019 – gerademal vier Maschinen im Einsatz, eine davon im Eigenbesitz der Light Wing AG.

Ein Blick in das Handelsregister ergibt, dass im Laufe all der letzten Jahre Forderungen von Gläubigern über insgesamt 2’148’900 Franken verrechnet und in Aktienkapital umgewandelt wurden. Wie Recherchen ergaben, unter anderem auch ein Darlehen der Investmentabteilung der Luzerner Kantonalbank LUKB über 800’000 Franken.

Bis vor kurzem wurden insgesamt erst die Nr. 6 und Nr. 7 der AC4 gebaut. Dies lässt zweifellos darauf schliessen, dass auch der Verkauf der AC4 im Ausland stockt, und dies, obwohl die AC4 seit 2014 in der EU zugelassenen ist. Aus der Geschäftsleitung tönt es heute so: «Damit wir kostendeckend arbeiten können, müssen wir 10 Maschinen pro Jahr liefern können». Im Klartext: Der viel zu optimistische Businessplan wurde mittlerweile auf jährlich bloss 10 Maschinen - oder bestenfalls einige darüber – nach unten korrigiert. Eine krasse Diskrepanz zu den vor Jahren prognostizierten Flugzeugen.

Ob die erfolgte Auslieferung, sprich das Leasing einer Maschine an die grösste Schweizer Flugschule Horizon bald 20 Jahre nach der Firmengründung tatsächlich ein «vielversprechender Markteinstieg ist», wie die Lokalzeitung am 19. Februar 2019 schrieb, erscheint fraglich, vor allem auch, ob die kritische Masse an Stückzahlen je erreicht werden wird. Fraglich ist folglich auch, ob und wann die Light Wing AG das ihr zuletzt gewährte zinslose Darlehen aus dem Topf der Neuen Regionalpolitik (NRP) über
800’000 Franken – je 400’000 Franken des Bundes und Kantons Nidwalden in Form von Steuergeldern – wird zurückzahlen können.

Paul Mazenauer
Präsident SBFB